IRON SAVIOR


Nach einer geschlagenen Ewigkeit kehrt einer DER Power Metal Bands Deutschland’s zurück auf die Bildfläche. IRON SAVIOR um ihren Mastermind Piet Sielck. 5 Jahre nach ihrem letzten Album hieven sie dieser Tage ihr neues Werk „The Landing“ in die Läden.
Dies, eine Bandumbesetzung und die lange Wartezeit waren für uns natürlich Grund genug bei Bandchef Piet einmal genau nach zu horchen, was denn alles in den letzten Jahren so passiert ist.
Lest selbst was uns das Nordlicht Piet zu sagen hat.

J.P: Hallo Piet, vielen Dank das du mir ein paar Fragen zu eurem neuen Album und der Rückkehr von IRON SAVIOR beantwortest.
Erstmal interessiert es unsere Leser glaube ich brennend was denn alles in den letzten Jahren passiert ist, da das Album doch 5 Jahre gebraucht hat bis es veröffentlicht wurde? Ich vermute mal das es mit deinem Label Dockyard 1, dem Labelwechsel und der Bassumbesetzung zu tun hatte?


P.S: Hallo Julian, Du besitz offensichtlich mediale Fähigkeiten! Ich schlage daher vor, dass wir das Interview per Gedankenübertragung führen, haha... OK, Spaß beiseite. Du liegst natürlich mit Deiner Vermutung weitgehend richtig. Meine Labelvergangenheit mit Dockyard hat mich tatsächlich für geschlagene 2 Jahre komplett lahm gelegt. Sowohl ganz handfest durch einen nicht abreißen wollenden Haufen von Ärger, dem ich mich immer wieder stellen musste als auch einfach rein emotional. Der Wechsel zu AFM ergab sich aus der DY Situation. Soulfood und AFM standen mir bei der Aufarbeitung der ganzen Sache sehr tatkräftig zur Seite. Das hat natürlich ein extremes Vertrauen meinerseits in sowohl die Fähigkeiten als auch die  rein menschliche Seite aufgebaut, so dass bei der Neuorientierung AFM an erster Stelle stand. Inzwischen bin ich total happy, dass alles so gut läuft und ich mit AFM und den dort handelnden Personen einen wirklich tollen neuen Labelpartner gefunden habe. Die Umbesetzung am Bass hingegen ging im Vergleich dazu recht schnell. Nachdem klar war, dass wir einen neuen Bassisten brauchen, war es irgendwie selbstverständlich Jan zu fragen, ob er nicht wieder an Bord kommen möchte.

J.P: Warum musste der Bassposten mit dem guten alten Bekannten Jan S. Eckert besetzt werden? Hatte Yenz keine Lust mehr auf IRON SAVIOR? Oder waren einfach seine vielen Bandprojekte zu viel des Guten?
Wie kamst du wieder auf Jan?

P.S: Richtig, es wurde Yenz einfach zu viel. Er ist ja in wirklich vielen anderen Bands und Projekten involviert und musste da einfach „ausdünnen“. Natürlich waren wir sehr betrübt, konnten seine Beweggründe aber verstehen und nachvollziehen. Wir haben uns daher in aller Freundschaft musikalisch getrennt, gehen aber weiterhin gerne jederzeit gemeinsam Bier trinken. Auf Jan kamen wir, weil er einfach IS Urgestein ist, ein cooler Basser ist, wir über die Jahre zwar nur unregelmäßig Kontakt hatten, aber die Freundschaft nie eingeschlafen ist. Jans Rückkehr zu Iron Savior ist einfach nur schön. Sowohl musikalisch als auch menschlich. Durch den Wiedereinstieg wurde uns allen bewusst, wie sehr man sich gegenseitig einfach gefehlt hat. Ich persönlich bin überglücklich mit Jan wieder Musik machen zu können und ihn so ganz zwangsläufig wieder viel mehr sehen werde, als das in der Vergangenheit der Fall war. Wären wir Frauen, hätten wir bestimmt geweint, haha!

J.P: Wie ist es denn dir persönlich die letzten Jahre ergangen? Waren ja bestimmt keine einfachen Jahre….wann kam denn wieder die Lust auf IRON SAVIOR?
Mich persönlich würde auch der genaue Hintergrund der Dockyard 1 Schwierigkeiten interessieren, aber nur wenn du drüber reden darfst/willst?

P.S: Ich bin in meinem Menschenbild durch Dockyard doch bis in die Grundfeste erschüttert worden. Wurde ich doch mit Schulden im 6stelligen Bereich und einem riesigen „Müllhaufen“ einfach sitzen gelassen. Man muss dazu wissen, dass ich bei DY lediglich als Geldgeber (alles futsch!) und mit meiner Reputation aufgetreten bin. Mit dem Tagesgeschäft hatte ich nichts zu tun, war aber dummerweise voll haftender Gesellschafter. Nachdem sich meine sauberen Partner einfach verabschiedet hatten, stand ich dem hinterlassenen Chaos vollkommen alleine gegenüber. Da sich verpissen aber nicht meine Art ist, habe ich mich dieser schier unlösbaren Aufgabe gestellt und den Müll so gut es eben ging und in meiner Macht stand langsam weggeräumt. Nach über 2 Jahren hatte ich endlich einen Punkt erreicht, wo ich Licht am Ende des Tunnels sah. Selbst heute ist immer noch nicht alles ausgestanden, aber ich kann wenigstens wieder atmen. Besonders schmerzhaft war es für mich, das ich so gut wie nichts für die DY Bands tun konnte, außer diese so schnell wie möglich aus ihren Verträgen zu entlassen und einen Teil der Schulden mit CD Beständen irgendwie auszugleichen. Die meisten Bands hatten ein gewisses Verständnis, wofür ich wirklich von ganzem Herzen dankbar bin. Natürlich verstehe ich auch den Zorn, den andere hatten. Ich habe wirklich das getan, was in meiner Macht stand, aber ich musste natürlich auch darauf achten, dass ich selbst nicht vollkommen untergehe. All das hat mich natürlich auch energetisch vollkommen runtergezogen, so dass ich vollkommen unfähig war auch nur für mehr als 5 Minuten meine Gitarre in die Hand zu nehmen. Mein Studio verkam zur Rumpelkammer, angefüllt mit irgendwelchem Dockyard-Scheiss und zunehmend Gerümpel aus unserem Haushalt. Irgendwann packte mich der heilige Zorn und ich habe ALLES zum Recyclinhof gefahren. Danach gings mir besser, haha! Es gelang mir, eine halbwegs gute Lösung mit AFM und Soulfood zu erarbeiten, die dann im Oktober 2011 über die Bühne ging. Seitdem hatte ich wieder Luft zum atmen und eines schönen Tages hatte ich tatsächlich wieder Lust, im Studio zu sitzen und einen Song zu schreiben. Heavy Metal Never Dies. Musik ist die beste Therapie und hat bei mir auch sofort angeschlagen. Ich war „heiss“ wie nie und fing an die übrigen Songs zu schreiben... Klingt vielleicht doof, aber ich war irgendwie entfesselt. Immer wenn ich dachte, geiler geht’s nicht, ging’s doch noch... und das hörte gar nicht auf. Ich war richtig traurig, als ich alle Songs zusammen hatte und das Songwriting zu Ende war!

J.P: Erzähl uns doch bitte kurz etwas zum Aufnahmeprozess der neuen Platte. Wann ging das Ganze denn los und wer zeigte sich alles für das Songwriting verantwortlich? Wie lief das Ganze genau ab?

P.S: Die Songs stammen diesmal komplett aus meiner Feder, da Piesel und Thomas mit ihren anderen Jobs zu stark eingebunden waren. Das ist auf der einen Seite schade, da ich den Input meiner Kollegen sehr schätze, tut aber dem Album insofern gut, als dass es einfach aus einem Guss ist. Songwriting und Produktion sind bei mir nicht klar voneinander getrennt. Ich habe das Glück in einem Tonstudio schreiben zu können. Daher kann ich schon beim komponieren mit produktionsgerechten Sounds arbeiten. Ich habe das vor einigen Jahren angefangen, weil mir irgendwann einfach einleuchtete, dass es viel besser ist, nicht nur einen tollen Sound sondern auch die richtige Attitude zu haben. Das ist manchmal gar nicht so leicht, wenn man eine tolle Pre-Production gemacht hat. Es gibt einfach diesen unbeschreiblichen Moment, wenn man einen Song komponiert und den total geil findet. Dementsprechend „hot“ ist dann auch die Attitudde beim einspielen. Hat man beim Demo aber nur einen 0-8-15 POD Sound gewählt, muss man dann bei der richtigen Produktion noch mal ran... Und dann muss man dieses besondere Feeling wieder abrufen, was meisten nicht klappt... denn, wie Henjo es mal ausdrückte, man covert sich irgendwie selbst. Ich arbeite daher so, dass ich diesen ganz besonderen Moment nicht verpassen möchte. Ich will mich nicht am Ende selbst sagen hören: „irgendwie war das Demo geiler...“ haha! Mit dem Gesang arbeite ich genau so. Habe ich eine Line im Kopf, schreibe ich schnell einen Text (manchmal auch nicht ganz so schnell...) und singe alles gleich richtig ein. Das mache ich seit der Megatropolis Scheibe so, und das hat sich für mich bisher sehr bewährt. Die Drums sind dann eher am Ende der Aufnahmen im Studio von Jan Rubach (ex-GammaRay) entstanden. Das Studio hat eine tolle Atmo die Thomas und mich zu Höchstleistungen gebracht hat. Ich muss es ja sagen, denn wir sind da wirklich stolz drauf: die Produktion ist komplett Drum-Sample frei. Das ist mir bisher noch nie gelungen. Thomas hat einfach total geil gespielt und sein Pearl Drum klingt einfach gigantisch gut. Den Mix habe ich dann von Ende August bis Mitte September durchgezogen. Danach war ich erstmal fix und foxy und bin 2 Wochen nach Andalusien zum surfen gefahren!


J.P: Noch eine letzte personelle Frage. Euer Drummer Thomas Nack ist ja eine recht treue Seele, bislang ist er mir noch bei keinem anderen Projekt über den Weg gelaufen, ist er mit dir mittlerweile vielleicht eine der Säulen von IRON SAVIOR?

P.S: Absolut. Iron Savior ohne Thomas kann ich mir persönlich gar nicht vorstellen. Da Thomas ausschließlich vom Drumming lebt, hat er natürlich neben Iron Savior auch andere Jobs, die aber alle aus dem Nicht-Metal Bereich kommen. Daher genießt er es jedes Mal in vollen Zügen, wenn er sich dann bei IS mal wieder so richtig austoben kann, haha. Aber im Ernst, ich denke, dadurch, dass er ohnehin schon so viel trommelt, hat er keine Gelüste, an anderen Metalprojekten mitzuwirken. Außerdem hat Thomas ein ähnliches Schicksal wie Iron Savior selbst: ständig vollkommen unterbewertet, haha! Ich denke, dass Thomas eindeutig zur Creme de la Creme der Metal-Trommlern zählt und bin froh, stolz und geehrt mit ihm bei Iron Savior zusammen Musik machen zu können.

J.P: Kommen wir jetzt mal zum Album selbst. Die kraftvollen Songs „Heavy Metal never dies“, “Starlight” oder „Hall of the Heroes“ fallen einen gleich ins Auge. Würdest du mir zustimmen dass das typisch IRON SAVIOR Songs sind?
Wie denkst du unterscheidet sich das Album zu eurem letzten Album „Megatropolis“? Ich für meinen Teil find ja das es etwas kompakter und aus einem Guss klingt, läuft einfach super gut ins Ohr, die Scheibe!

P.S: Da würde ich Dir zu 100% zustimmen! Ich mag das Megatropolis Album immer noch sehr gerne, habe mich aber damals etwas zu sehr von dem Vorsatz leiten gelassen, eine bewusste Abgrenzung zu meinen anderen Projekten zu ziehen. Es sollte halt betont rockig sein, wodurch der „Metallgehalt“ nicht ganz so stark ausgeprägt ist wie auf The Landing. Das fängt bei den Songs selbst an bis über die Vocalarbeit. Habe ich bei Megatropolis bewusst eher auf Einzelstimmen gesetzt, sind auf The Landing wieder deutlich mehr 2. und 3. Stimmen als auch Bandchöre zu hören. Außerdem sind erheblich mehr Keyboards auf The Landing zum Einsatz gekommen. Untrue mag der eine oder andere meinen, aber ich finde, im Jahr 2011 sind Keyboards einfach zu einem festen Bestandteil im Metal geworden. Damit konnte ich das Spektrum von Iron Savior erweitern und auch neue Soundbilder erzeugen ohne die Sache im Kern zu verändern. Im Übrigen habe ich bei dem Album generell nach der simplem Prämisse „was gefällt, ist erlaubt“ gearbeitet, sprich, ich habe mich ohne jeglichen Zwang einfach ans Werk gemacht und das getan, wonach mir gerade der Sinn stand. Bei der Condition Red habe ich damals ebenso gearbeitet. Das kann man sich nicht wirklich vornehmen, das „passiert“ einfach so.

J.P: Eure Texte handeln ja meistens von Si Fi Themen, das ist ja bei „The Landing“ nicht anders. Aber gibt es denn eine Art Geschichte oder Roter Faden der sich durch das Album zieht?

P.S: Mit den Lyrics ist es hier wie auf den letzten 3 Alben: Einige Songs greifen die Savior-Story auf, andere handeln von Schwertern und bösen Buben, andere wiederum versuchen nur ein bestimmtes Feeling rüberzubringen. Allerdings steckt in allen Texten immer ein Teil von mir selbst und meinen ganz persönlichen Erlebnissen. Mal mehr mal weniger. Ich denke, dass dieses auch ein Aspekt ist, der die Scheibe ehrlich macht. Lies Dir z.B. Heavy Metal Never Dies durch und schau noch mal nach, was ich vorhin zu Dockyard geschrieben habe...

J.P: Bei „Moment in Time“ gibt es ja ein erstklassiges Basssolo von Jan zu bestaunen, du als Gitarrist, wie bewertest du das Ganze? Eine Bereicherung für den Song und die Band, oder bist du eher derjenige der sagt, der Bass gehört in den Hintergrund und muss mir einfachen einen guten Boden bieten?

P.S: Ich muss gestehen, dass ich früher eher so gedacht habe, dass der Bass einfach nur gut füllen und ansonsten nicht so aufdringlich sein sollte. Davon bin ich weg! Der Bass als Basisinstrument ist superwichtig und sollte daher auch gut ortbar sein. Zusammen mit dem Drum muss er grooven und schieben. Das kann er aber nur, wenn er auch hörbar und nicht nur fühlbar ist. Es ist immer etwas kitzlig, den Bass gut zwischen Drums und Gitarren zu platzieren ohne diesen Instrumenten etwas „wegzunehmen“. Ich finde, dass uns das auf der Landing aber gut gelungen ist.

J.P: Mit AFM Records habt ihr ja ein neues Label im Rücken, was ja wegen den Schwierigkeiten von deinem Label Dockyard 1 notwendig war. Als Hamburger muss es doch ein Traum sein bei DEM deutschen Metal Label schlechthin unter Vertrag zu stehen, oder? Wie kam denn der Kontakt zu stande? Hattet ihr noch andere Angebote?

P.S: Wie oben schon erwähnt kam der Kontakt durch die DY-Sache zustande. Und wie ebenfalls schon erwähnt bin ich total happy mit AFM. Und das ich bei Bedarf auch mal eben schnell ins Office fahren kann, um Dinge Face2Face besprechen zu können ist ebenfalls ultracool. Andere Angebote habe ich gar nicht erst eingeholt, weil AFM aus bereits erläuterten Gründen mein absoluter Wunschpartner war.

J.P: Piet wie geht es denn jetzt genau bei IRON SAVIOR weiter? Ist eine Tour in Planung? Bei AFM solltet ihr ja ein gutes Plätzchen gefunden haben um weitere Alben zu veröffentlichen, oder?

P.S: Momentan stellen wir gerade die Weichen, um Iron Savior auch mal wieder über die eine oder andere Festivalbühne hüpfen zu lassen, haha. Wir würden wirklich gerne wieder präsenter im Livebereich werden, da fast alle Songs von The Landing ja förmlich danach schreien, live gespielt zu werden. Und unsere alten „Hits“ sind ja auch nicht zu verachten. Natürlich setzen wir jetzt erstmal gezielt auf die Festivals, würden aber auch ein tolles Supportangebot nicht ausschlagen! Im Übrigen gehe ich auch davon aus, dass die Zusammenarbeit mit AFM gerade erst am Anfang steht.

J.P: Vielen Dank Piet für deine Zeit und die interessanten Antworten! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft.
P.S. Dafür nich’, wie der Hamburger so sagt! Ich würde noch schnell mal ein Dankeschön an alle Fans loslassen wollen, die uns trotz der langen Pause die Treue gehalten haben und mich persönlich in den letzten 2 Jahren durch coole Postings immer wieder aufgebaut haben. Ohne diesen Support würde es dieses Album so nicht geben! Ich danke Euch allen!!!

Julian



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen