WILD FRONTIER


WILD FRONTIER ist eine der wenigen deutschen Hardrock Bands, die es geschafft haben, seit 1990 ihr Ding durchzuziehen, ohne sich durch Trends von ihrem Weg abbringen zu lassen. Und obwohl es auf ihrem neuen Album „2012“ einige Neuerungen gibt, kann der Scheibe attestiert werden, dass sie 100% Kassel Rocks geworden ist. Aber hören wir doch mal, was Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied Jens Walkenhorst so zu erzählen hat:

S.T.: Cheerz nach Kassel. Ich hoffe, alles ist senkrecht im WILD FRONTIER Lager?! Seit kurzem gibt es Euere mittlerweile fünfte Studioscheibe zu kaufen. Wie sind die Reaktionen darauf bisher?

J.W.: Ja, danke der Nachfrage, alles Bestens! Alles läuft derzeit gut, die Resonanzen sind überwiegend gut bis sehr gut, wobei es natürlich auch Stimmen gibt, denen das Album etwas zu „modern“ ist. Das Abba Cover spaltet zwar die Nation, aber das sollte man einfach als großen Spaß sehen, daher ja auch „Bonus Track“. Aber Musik ist ja Geschmack Sache.

S.T.: Seit März diesen Jahres ist es offiziell: leider gab es mal wieder ein paar Neuerungen in Eurem Line-Up. Bitte stell uns doch die neuen Mitglieder der Band einmal vor.

J.W.: „Leider“ würde ich da nicht sagen, denn wir haben jetzt ne echt coole Truppe am Start und mit 2 Schlagzeugern kann ja auch nichts mehr schief gehen. Bisher mußten wir nach jeder CD den Drummer wechseln. Neben Mario am Bass, Thomas an den Keys, haben wir Sascha Fahrenbach an der Gitarre (ist auch Schlagzeuger) und seinen Bruder Nico Fahrenbach an den Drums neu an Bord. Mit 2 Gitarren können wir jetzt endlich alle WF Song spielen, das ist ein großer Vorteil.

S.T.: Du und Mario sind somit weiterhin die einzigen Ur-Mitglieder – und das seit 22 Jahren. Sicher hattet Ihr in dieser Zeit einige Höhen und Tiefen – was lässt Euch weitermachen, obwohl die Aussichten speziell in der heutigen Zeit ja alles anderes als rosig sind?

J.W.: Eindeutig der Spaß an dieser Art von Musik. Den lassen wir uns auch nicht nehmen! Mario und ich haben so einige Sachen erlebt mit Wild Frontier, es hat sich bis hier hin gelohnt, auch wenn wir (zum Glück) keine Profi Musiker geworden sind. Wie das mit der Musik so weiter geht weiß ich nicht, aber die Zeiten von langen Studio Aufenthalten sind vorbei. Wir produzieren im eigenen Studio, sonst wäre das lange nicht mehr möglich. Daher werden wir wenn wir diesmal kostendeckend arbeiten (und natürlich gesund bleiben) auf jeden Fall versuchen weitere Alben aufzunehmen und live aufzutreten. Früher oder später muß jeder Fan sich überlegen, ob er seine Lieblingsbands nicht nur einfach auf den Stick zieht, sondern ein paar Euros investiert, damit die Band weiter existieren kann. Das nochmal zur aktuellen Lage, wo ich gerade im Radio gehört habe, dass es Metallica wegen der schlechten CD Verkäufe nicht gut geht und sie gezwungen sind live aufzutreten. Wenn die schon nichts mehr zu essen haben, oh weh, haha!

S.T.: Zurück zum aktuellen Album „2012“. Satte fünf Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger zu „Bite The Bullet“ in trockenen Tüchern war. Habt Ihr dazwischen schon Songs geschrieben oder hieß es: so, jetzt machen wir ne neue Platte?

J.W.: Erstmal hatten wir ja Probleme mit der Besetzung nachdem uns Sebastian Gröning aus privaten Gründen verlassen mußte. Außerdem haben wir ja noch eine zweite Rock Coverband mit Wild Night, mit der es im Livebereich bisher besser lief. Wir sind nun mal Livemusiker. Ich komponiere aber ständige neue Songs und irgendwann war es Zeit wieder was Eigenes zu machen, weil es einfach doch noch mehr Spaß macht. Die Produktion hat dann doch 2 Jahre gedauert, weil wir die Aufnahmen mehrmals für mehrere Wochen unterbrechen mußten aufgrund privater Vorfälle. Ein Wunder, daß die Platte dann irgendwann doch fertig geworden ist. 

S.T.: Euer Konzept ist ja dieses Jahr sehr populär – jeder spricht über den buchstäblichen Weltuntergang am 21.12.12. Hattet Ihr nicht die Angst, damit nicht alleine dazustehen? Wie denkt Ihr über dieses Thema?

J.W.: Der Albumtitel wurde mehrmals geändert, dann wurde es 2012, weil ich ja aufgrund meines Geburtstages das Recht auf die Doppel-2012 habe, haha. Nein, mal im Ernst, es gibt keinen bestimmten Hintergrund für den Titel und uns ist auch egal was die Anderen darüber denken.
Ich denke mal am 21.12.2012 wird nichts passieren. Aber man kann ja mal darüber nachdenken was wir unserer Erde so antun. Daher ist es nicht schlecht, wenn die Angst herrscht, da denkt man mal vielleicht über das große Ganze mal nach. Die Zerstörung unserer Erde ist aber in vollem Gange, ich glaube daran kann man nichts mehr ändern, leider! Also, weiter rocken solange es geht!

S.T.: Du wirst ja am 20.12. noch einmal Deinen Geburtstag feiern. Das wird wohl ne Megafete, oder? :-)

J.W.: Ja, die Idee war riesig zu feiern und dann ne Woche später zu zahlen. Sollte dann die Welt nicht untergehen, wäre ich pleite!

S.T.: Dennoch ist die neue Scheibe kein Konzeptalbum geworden, oder?

J.W.: Nein!

S.T.: Das neue Album verbindet die Wurzeln von WILD FRONTIER in Songs wie „To The End Of The World“ mit neuen Einflüssen wie in „Why Don´t You Save Me“. Wie wichtig es dennoch für Euch, in gewisser Weise mit der Zeit zu gehen?

J.W.: Meine Festplatte ist voll mit Ideen für reinrassige 80er Songs, aber ich höre auch aktuelle Bands wie zB. Simple Plan, Shinedown, Nickelback, Carpark North oder 30 Seconds To Mars etc. Daher kommt man automatisch auf andere Ideen. Wir wollten diesmal nicht denselben Sound wie in den 80ern fahren. Man muß auch mal was Neues wagen. Ich trage ja auch nicht mehr die Hose aus den 80ern, sondern vielleicht eine die moderner ist, aber so ähnlich aussieht. Zeit ist gleich Veränderung, immer, und Musik ist und bleibt Geschmacksache und so wird es bleiben. Wer weiß wie unsere nächste Platte klingt?

S.T.: Für mich sind das schon erwähnte „To The End Of The World“, „It´s All Over Now“, „Favourite“ oder „Stay Tough” neben ein paar anderen Stücken die Highlights auf „2012“. Somit sind das allesamt eher klassische Rocksongs. Stört es Euch, wenn in Rezensionen darüber gemeckert wird, dass ihr modernere Sounds verwendet?

J.W.: Mit den Rezensionen ist das so eine Sache. Man darf nie vergessen, daß es nur der Geschmack eines einzelnen ist. Wenn mich Rezensionen ärgern würden, dann dürften wir die Presse nicht bemustern. Es gibt kein Wild Frontier Album bei dem sich die Schreiber einig waren. Ich stelle es mir sehr schwer vor eine Platte zu besprechen, da man das Teil bestimmt nicht 5 mal komplett durchhören kann. Gerade neue Sounds brauchen manchmal ein wenig länger. Ich fand zB. die neue Shinedown CD bei den ersten zwei Durchgängen nicht so toll, aber das ist ja das volle Brett und ich höre die Scheibe jetzt sehr oft. Bei neuen Melodic Scheiben habe ich oft das Problem, daß ich das beim ersten Hören super finde, aber nach 3 Durchläufen bereits langweilig. Wir wollten es diesmal etwas anders machen und man darf auch nicht vergessen, daß wir auch Fans haben, die noch nicht mal Dokken oder Bonfire kennen, eher Nickelback oder Bon Jovi. Solange niemand 0 Punkte für das Album gibt ist es nicht schlimm. Deine erwähnten Songs werden oft genannt, aber ich habe auch schon ein Review gelesen, bei dem der Schreiber die anderen Nummern super fand und gerade Deine Nummern als „Lückenfüller“ benannt hat. Sehr lustig. Am besten sollte jeder selbst entscheiden und dann vielleicht nur seine Faves bei Itunes kaufen. Das bringt uns auf jeden Fall auch weiter.


S.T.: Was sind Eure Faves auf dem neuen Album? Gibt es zu einem Song eine besondere Geschichte?

J.W.: Schon innerhalb der Band gibt es geschmackliche Unterschiede wem welcher Song am besten gefällt. Mario zB. tendiert wohl eher zu Deinen Faves, aber ich zB. finde jeden Song gut, muß ich ja auch, sonst hat der Komponist versagt, haha.


S.T.: Ich habe gelesen, dass Ihr die Songs zwei mal aufnehmen musstet. Was war passiert?

J.W.: Erstmal hatten wird Gitarren aufgenommen, die sich später als verstimmt rausstellten. Also, alles nochmal. Dann kauft man sich in den 2 Jahren neue Geräte und stellt fest, daß damit alles besser klingt. Also nochmal aufnehmen….so zog es sich durch.


S.T.: Ihr habt ja mit Prime Entertainment Euer eigenes Label. Wie wichtig oder vorteilhaft ist es heute, viel selbst steuern zu können?

J.W.: Wir haben ja von Anfang an alles selbst in die Wege geleitet und finanziert. Obwohl wir die Fäden selbst in der Hand hatten, mußten wir finanziell doch echt viele Niederlagen einstecken und die Miesen reichen bestimmt für einen neuen Kleinwagen. Wenn wir für alle verkauften Platten auch das Geld bekommen hätten, ständen wir heute vielleicht auf Null. Egal, diese Platte zählt jetzt und wir schauen genau was noch geht. Wir haben so die volle Kontrolle über den Verkauf und durch unser eigenes Label können viele Fans direkt mit zB. signierten CD´s beliefern wie wir wollen. Für den Vertrieb ist dann Music Buy Mail in München zuständig, mit denen wir sehr zufrieden sind. Wir haben uns bewußt nicht bei diversen Labels mit der neuen CD beworben, weil es für uns keinen Sinn macht. Wir sind ja nicht Def Leppard oder Whitesnake, sondern Wild Frontier, die Kumpels von Nebenan.

S.T.: Mit WILD NIGHT habt Ihr Euch ein zweites Standbein erschaffen. Unter diesem Banner gibt es feinsten Cover-Rock von Euch zu erleben. Erzähl doch mal etwas mehr darüber.

J.W.: Nach „Bite the bullet“ haben wir mit Wild Frontier doch noch einige Konzerte gespielt, bei denen wir gemischtes Programm mit Covers und eigenen Sachen gespielt haben. Das haben uns einige übel genommen und wir haben beschlossen die Bands zu trennen. Daraus ist Wild Night entstanden. Das läuft soweit ganz gut, aber der Fokus liegt im Augenblick wieder auf Wild Frontier. Da wollen wir wieder „livehaftig“ Gas geben. Die Covergeschichte betreiben wir vorerst nur nebenbei. Es geht uns ja nicht ums Geld, sondern um die Livemusik im Allgemeinen. Das ist das was wir wollen.

S.T.: Natürlich interessieren mich auch Eure Pläne für die Zukunft!

J.W.: In erster Linie wollen wir Alle mal gesund bleiben, damit wir weiter Musik machen können. Wir schauen jetzt erstmal was für Wild Frontier geht. Am Jahresende werden wir uns zusammen setzen und entscheiden wie es weiter gehen soll. Neue Songs werden wir auf jeden Fall komponieren und aufnehmen. Ob wir die dann veröffentlichen oder nur für uns und unsere engen Freunde behalten, werden wir sehen. Auch wenn man mal länger nichts mehr von uns hört, wir werden Wild Frontier am Leben erhalten, versprochen!

S.T.: Haben wir was vergessen? Vielleicht wollt Ihr auch eine Message an Eure Fans loswerden… 

J.W.: Auf jeden Fall 1000 Dank an unsere Fans und natürlich das Rock-Garage-Team für die Unterstützung! Wir freuen uns über jeden der unsere Musik gut findet. Bleibt Gesund und der Musik Treu. Wir hoffen den einen oder anderen auf einem unserer Konzerte zu treffen – Rock on!

S.T.: Ich möchte mich ganz herzlich für dieses Interview bedanken und für die Zeit, die Ihr Euch genommen habt. Natürlich wünsche ich und das gesamte Rock-Garage-Team weiterhin alles Gute für die Zukunft von WILD FRONTIER.

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